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Berlin im September 2017

Detlev Steinberg – ein Autor des ex pose verlags

Detlev Steinberg (1944 in Breslau geboren) ist einer der bedeutendsten deutschen Fotoreporter. Dass dies nicht allgemein bekannt ist, wird wohl daran liegen, dass er Bürger der DDR war. Er war Chefreporter der Illustrierten Freie Welt und viele Jahre in Moskau stationiert. Von dort aus hat er kreuz und quer die gesamte Sowjetunion bereist. Die fotografische Ernte jener Jahre wurde in ein ex pose-Buch eingebracht:
»Der sechste Teil der Erde«

Daten des lange vergriffenen Werkes finden sich auf dieser Website unter [archiv].
Kürzlich erschien von Detlev Steinberg im Christoph Links-Verlag ein umfangreiches Buch über die letzten Jahre der Roten Armee in Deutschland »Der Abzug« mit über 500 (!) Abbildungen.

Wie schon in »Der sechste Teil der Welt« erkennbar war auch im jüngsten Bildband Steinbergs vorzügliche Kenntnis der russischen Sprache eine unschätzbare Vorbedingung für den intimen Zugang zu seinen Protagonisten. Er genoss das Vertrauen der Soldaten bis hinauf zu den höchsten Offizieren. Dass er nah dran war, ist nicht nur als körperliche Nähe zu sehen, sondern durchaus im übertragenden Sinne zu verstehen: die Zuneigung war wechselseitig.
Detlev Steinbergs künstlerisch herausragenden Porträts sowjetischer Soldaten bleiben in der enormen Zahl der journalistischen Arbeiten fast unbemerkt. Diese in einem eigenen Bildband zu versammeln, um den Rang dieses Fotografen gebührend zu würdigen, bleibt ein Desiderat.

Weitere Angaben zu Detlev Steinberg – und seinem früh tödlich verunglückten Bruder Uwe, einem ebenso eminenten Fotografen – finden sich auf deren Website:

https://steinberg-photographie.jimdo.com


Berlin im August 2017

Innere Bilder wird man nicht los

Das Buch, über das ich berichten möchte, ist nicht im ex pose verlag erschienen:

Helmuth Bauer »Innere Bilder wird man nicht los – Die Frauen im KZ-Aussenlager Daimler-Benz Genshagen« Berlin 2011, 704 Seiten mit zahlreichen Illustrationen.

Vor etwa 20 Jahren hatte mich Henning Langenheim mit Helmuth Bauer bekannt gemacht und mir dessen Beschäftigung mit dem Schicksal der Frauen von Genshagen nahe gebracht. Damals schon konnte ich den Blick auf ein Konvolut von Gemälden der ungarischen Jüdin Edit Bán Kiss werfen. Die Künstlerin hatte sich fast unmittelbar nach der Befreiung 1945 einen Zyklus über das Dasein und die Leiden der Zwangsarbeiterinnen buchstäblich von der Seele gemalt. Diese Gouachen stellen den Kern und die besondere Motivation für die Forschungsarbeit dar. Allein sie herauszugeben, wäre eine Tat gewesen, aber Helmuth Bauer wollte mehr. Seine Erkundungen galten der Würdigung aller Zwangsarbeiterinnen in Genshagen und der Darstellung der damaligen Situation. Die Lebensläufe von drei Frauen werden ausführlich dargestellt. Dazu kommen viele Passagen aus anderen Lebensläufen, Gespräche und Berichte von Treffen mit Überlebenden in Polen, Ungarn, Frankreich, in Ravensbrück und in Genshagen. “Wir waren ja Niemand” – Helmuth Bauer hat das geändert. Genshagen im Süden Berlins ist heute wieder ein Produktionsstandort von Daimler-Benz. Folgerichtig widmet sich ein Kapitel der Erforschung der Rolle von Daimler-Benz im “Dritten Reich”. Mit wiederum vielen Bilddokumenten und Zitaten belegt wird die Verstrickung des Rüstungskonzerns mit SS und der politischen Führung Nazi-Deutschlands gezeigt. Der promovierte Helmuth Bauer war einige Jahre Maschinenschlosser bei Daimler-Benz in Untertürkheim, er war Aktionär (mit einer Aktie) und ist bei mehreren Aktionärsversammlungen mit Berichten über die schändliche Vergangenheit von DB aufgetreten. Schliesslich erreichte er, dass die Firma sich ihrer Geschichte stellt (und inzwischen – zähneknirschend, wie ich annehme – die Arbeit von Helmuth Bauer unterstützt). Henning Langenheim hat Helmuth Bauer mehrfach begleitet und viele hervorragende Fotografien zu dessen Arbeit aufgenommen.

Henning, Freund von Helmuth und mir, verstarb unerwartet 2004.

Im ex pose verlag ist 2009 »Eine Mauer verschwindet [A Wall Vanishes]« von Henning Langenheim erschienen.

Dieser schmale Band zeigt, wie prägnant und ebenso künstlerisch engagierte Dokumentarfotografie sein kann. Im Buch von Helmuth Bauer lohnt es sich, den Bildern von Henning auf die Spur zu gehen, um dies auch dort bestätigt zu finden:

www.gesichter-der-kz-zwangsarbeit.de


8. Juli 2017

100 Fotos aus der DDR
Christian Borcherts berührende Bilder aus einer vergangenen Welt

Eine Rezension in der „Jungen Welt“ von Matthias Reichelt.

Ausgabe vom 08.07.2017


29. Juni 2017

Terry Pitts betreibt einen Blog, der sich W.G. Sebald widmet und dem Thema “Literatur & Fotografie” besonderen Augenmerk zukommen lässt. Das ex pose Buch »Der aufrichtige Kapitalismus des Metallgorilla« von Michael Arenz & Hansgert Lambers wurde mit einer lobenden Bemerkung dort aufgenommen:

Photo-Embedded Fiction & Poetry

Terry Pitts war u.a. von 1989–2000 Director, Center for Creative Photography, University of Arizona, Tucson.


14. Juni 2017

Rezension zu Christian Borcherts „Schattentanz“, erschienen in PhotoKlassik, Heft III.2017


8. Juni 2017

KUNSTUNDKULTUR, die kulturpolitische Zeitschrift der Gerwerkschaft ver.di, veröffentlichte

im Heft 2/17 zu Christian Borcherts „Schattentanz“


27. April 2017

Thomas Wiegand schreibt im Kasseler Fotobuchblog über „Schattentanz“.


1. April 2017

Das April Heft der PHOTONEWS enthält eine Rezension von Christian Borcherts „Schattentanz“.


PHOTO International Nr. 3/2017 – eine Rezension von Hans-Michael Koetzle.


14. März 2017

68 Porträts, die ich in der von Richard Pietraß geführten Veranstaltungsreihe Dichterleben (1998 – 2016) von Autorinnen und Autoren angefertigt habe, hängen noch bis Anfang April im Literaturforum im
Brecht-Haus in der Berliner Chausseestrasse 125.

Sie sind dort vor den Veranstaltungen – in der Regel Dienstag bis Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr – zu sehen.


16. Februar 2017

1979 lernte ich den Fotografen Christian Borchert (1942–2000) kennen. Er war durch seine Künstlerporträts
bereits renommiert, und seine monumentale Dokumentation des Wiederaufbaus der Dresdner Semperoper
hatte begonnen (1977–1985). 1986 konnte ich das Buch Christian Borchert Berliner in meinem Westberliner
expose verlag veröffentlichen, das vor allem Strassenfotografie in der Tradition des “human interest” enthielt.
Wir freundeten uns mehr und mehr an und tauschten uns über alle möglichen Aspekte der Fotografie und des
Lebens aus. Christian hatte diesen feinen sächsischen Charme, war aufmerksam und neugierig, neigte aber auch
zu depressiver Sicht auf sein Leben, oft gebeutelt von seiner Suche nach familiärer Nähe. Eine eher komplizierte
Beziehung zu einer geliebten Frau führte nicht zur Ehe. Er musste erkennen, dass er als Künstler Einzelgänger
war.
Unter seinen Werkkomplexen nahm die Sammlung über das Leben in der DDR einen beträchtlichen Raum ein.
Bereits 1981 nannte er mir auf einem Postkartengruss sein Ziel: “100 Fotografien der DDR”. Die
Schwierigkeiten, nach der Wende künstlerisch und professionell seinen Platz zu finden – sprich: den
Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreiten zu können –, verhinderten die Verwirklichung dieses Zieles. Sein
plötzlicher Tod im Jahr 2000 setzte eine weitere Zäsur.
Zum Glück (und ein wenig auch durch meine Nachhilfe) konnte sein Nachlass gesichert werden. Die Deutsche
Fotothek in Dresden übernahm alle Negative, Werkprints und sein Schrifttum. Die Ausstellungsbilder gingen
teils an die Berlinische Galerie und teils an das Kupferstichkabinett in Dresden. Aus diesem Nachlass heraus
erschien 2014 im Leipziger Lehmstedt-Verlag die wichtige Publikation “Familienbilder”.
Ich aber erinnerte mich immer wieder an seine Bemerkung anlässlich einer seiner Fotoausflüge: “Meine lieben
DDR-Bürger waren alle da!” Warmherzig, dabei unsentimental hatte er seine Landsleute im Osten
Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgelichtet. Sein Augenmerk galt dem Alltäglichen,
Unspektakulären. Ein feiner Humor durchzieht seine Bilder. Die Porträts sind durch Respekt vor den
Dargestellten charakterisiert. Kinder und Alte, Einzelgänger, Paare und Gruppen beachtete er, besonders auch
Frauen und deren gewandeltes Bild in der Öffentlichkeit. Borchert war ein diskreter Chronist seiner Zeit.
Schattentanz soll dazu beitragen, dass Christian Borchert als herausragender Fotograf aus ostdeutschen
Ländern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlicher wahrgenommen wird.
Ich möchte mit diesem Buch meinem früh verstorbenen Freund – Christian wäre in diesem Jahr 75 Jahre alt
geworden – ein kleines Denkmal setzen.

Hansgert Lambers

im Februar 2017